One night in Paris. Oder: Der größte Großmarkt weit und breit.

Ein bisschen fühlt es sich an wie eine Klassenfahrt, wenn sich 19 aufgeregte Menschen mit gepackten Rucksäcken um einen Bus versammeln. Nur, dass es sich hierbei um Erwachsene handelt, die alle samt Profis in den verschiedenen Bereichen der Food- und Gastrowelt sind.

Ende April steigen für uns also Simone und Dirk in besagten Bus und nehmen an einer Studienreise teil, die vom weit über Bochum hinaus bekannten Großhändler Niggemann Food Frischemarkt organisiert wurde. Next Stop: Paris-Rungis.

Es geht also zum größten europäischen Großmarkt, der sich auf einem Areal von 232 Hektar südlich der französischen Hauptstadt erstreckt. Einmal das bunte Treiben bei Nacht und in den frühen Morgenstunden live erleben, das riesige Gelände durchzogen von Straßen, Restaurants, Tankstellen, Banken und sogar einem Güterbahnhof entdecken. Und natürlich die unendliche Vielfalt hochwertigster Lebensmittel bestaunen. Dort, wo des nachts rund 12.000 Menschen arbeiten und 26.000 LKWs kommen und gehen, dort ist der ultimative Handelsplatz für Gemüse, Fleisch, Molkereiprodukte, Fisch und Meeresfrüchte.. Und Schnittblumen.

Um 15.30h verlässt der Reisebus das Niggemann Gelände. Etwa 7,5 Stunden und rund 550 km weiter (inkl. zünftigem Bus-Catering und 2 kurzen Stopps) ist das Ziel vor Augen. Noch im Finsteren liegend erreichen wir die Tore von Rungis. 23.00h, die perfekte Zeit für ein Abendessen in einem der Marktrestaurants. Wir folgen der Empfehlung und genießen frische Meeresfrüchte in Hülle und Fülle.

Und dann wird es Zeit, sich für den Marktbesuch hübsch zu machen. Gegen 2.00h in der Früh streifen wir unsere Schutzanzüge über, mit denen wir den Hygienebestimmungen gerecht werden – und uns gut sichtbar als Touristen zu erkennen geben. Es öffnen sich die Tore zur ersten Fischhalle. Diese Auswahl, diese Frische – der Anblick raubt uns den Atem. Foodie-Herz, was willst Du mehr?

Ganz klar: appetitlichste Rinderhälften in der Fleischhalle, vielfältige Geflügelprodukte, Feinkost-Waren an allen Ecken. Und Gemüse, Obst, Käse! Wir folgen dem Reiseleiter, der uns durch das Wirrwarr dieses wahrlich großen Großmarkts führt und saugen die geschäftige Stimmung in den Hallen auf. Das Treiben ist bunt, heiter, inspirierend. An allen Ecken rufen uns junge Mitarbeiter und alte Hasen ihr freundliches „Bonjour“ entgegen, sogar, wenn wir offensichtlich gerade etwas im Wege stehen. Wir fühlen uns wohl und willkommen, stimmen ein in das fröhliche Pfeifen und wünschen uns, wir dürften all die Köstlichkeiten probieren und am besten gleich kaufen.

Langsam bricht die Morgendämmerung herein und wir können unsere schwindenden Kräfte nicht mehr so ganz verstecken. Doch auch um 5.30h gibt es noch zu viel zu entdecken und gestärkt von einem Kaffee mit den Marktangestellten gehen wir weiter auf Erkundungstour. Während Palette um Palette durch die Hallen manövriert wird und eingefleischte Händler ihre Deals machen, fangen wir mit der Kamera so viele Eindrücke wie nur möglich ein. Es sind dabei nicht nur die Größe des Marktes und die Fülle der Waren, die uns beeindrucken – es ist auch der Umgang der Mitarbeiter mit den Produkten und uns Besuchern. Es ist wirklich einmalig.

Irgendwann streifen wir unsere Schutzkleidung ab und verlieren uns fast unmittelbar im Gewusel des Markttreibens. Der Tag ist erwacht und gegen halb acht finden wir uns wieder ein in dem Marktrestaurant, von dem aus unsere Tour begann. Noch ein heißer Kaffee und ein frisches Croissant bevor wir die Rückfahrt antreten. Wir haben schon lange keine Nacht mehr durchgemacht – unsere Mitreisenden wohl auch nicht. Leise flüsternd tauschen sich unsere Nachbarn noch ein wenig über ihre Eindrücke aus, doch dann übermannt auch sie die Müdigkeit und erschöpfter, aber zufriedener Schlaf überfällt unserer Reisegruppe. Au revoir, Paris-Rungis – wir sind überwältigt!

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